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» Antworten #1 30.09.2009, 09:21
Redaktion
Moderator
Dabei seit: 23.09.2009
Beiträge: 29


Betreff: Streit um Gier und Verantwortung
EKD-Ratsvorsitzender Bischof Huber fordert von Managern mehr Verantwortung statt ungehemmter Gier / Bankchef Niehage verwahrt sich gegen Rundumkritik

Bischof Dr. Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, regt eine verschärfte Kontrolle der Finanzwirtschaft an. In einer Kolumne für Tacheles online fordert Huber im Vorfeld der Debatte mehr persönliche Haftung der Banker: „Ein Verfahren, bei dem ungehemmte Gier auf verstärkende Anreize stößt, muss ein Ende finden.“

Frank Niehage, Vorstandsvorsitzender der Bank Sarasin AG, weist dagegen zurück, „dass die gesamte Branche für die Fehler einzelner in Haftung genommen wird“. Es sei geradezu in Mode gekommen, über zu hohe Managergehälter zu klagen. „Doch Gehaltsverzicht muss man schon den Betroffenen selbst überlassen“, schreibt der Bankchef gleichfalls bei Tacheles online.

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Redaktion Tacheles
Redaktion Tacheles
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 30.09.2009, 09:22 von Redaktion. ↑  ↓

» Antworten #2 02.10.2009, 10:23
Betreff: Bankerboni streichen und Finanzkrise verhindern
Es ist kein wirklicher Vorwurf, sondern lediglich eine Feststellung: Die Politik kann gar nicht anders, als immer nach einfachen Lösungen zu suchen und einfache Antworten zu geben. Weil komplexe Darstellungen vom breiten Publikum nicht verstanden werden. Und die sollten ja hin und wieder mitreden können.

Bonus für Banker deckeln
So kommt es, dass die Spitzenpolitiker dem Publikum weismachen, würden nur mal die Bankerboni gedeckelt, wäre die nächste Finanzkrise bereits verhindert. Was natürlich ein ausgemachter Blödsinn ist. Denn die komplexe, aber richtige Antwort lautet: Niemand weiß, wie es zu dieser Finanzkrise gekommen ist. Denn niemand durchschaut komplexe chaotische Systeme, weil sie niemand wirklich versteht.

Geforscht wird auch ohne Boni
Auf die Boni-Thematik umgelegt, muss beispielsweise damit gerechnet werden, dass neue Finanzprodukte von den Profis einfach aus Freude an der Sache kreiert werden. Schliesslich arbeiten Millionen von Forschern auch ohne jegliche Boni.

Lächerlicher Kausalsatz
Das blöde ist nur, dass das Publikum tatsächlich dazu neigt, eher an den Erfolg von einfachen Antworten zu glauben als sich auf komplexe Prozesse einzulassen. Mit Politplacebos gewinnt man Wahlen.
Der Kausalsatz, Streichen wir die Bankerboni und verhindern damit die nächste Finanzkrise, ist einfach lächerlich.
Das Wahrscheinlichste: Es wird in dieser Frage keine weltweit gültige Regelung geben.

http://www.arleshe...eloaded.ch
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» Antworten #3 03.10.2009, 21:07
Betreff: Für Banker hat die Kanzlerin ein großes Herz
Für Banker hat die Kanzlerin ein großes Herz: Geburtstagessen, Boni und finanzielle Absicherung der Verluste bei Spekulationen. Der Wähler hat dazu gesprochen: Weiter so! Weiter Steuergelder für arme Großaktionäre, die vielleicht ansonsten auf einen Hummer verzichten müßten! Die FDP sagt: „Arbeit muß sich wieder lohnen“. Das klingt wie Hohn, wenn nicht weit neben dem Plakat Menschen in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen. Wer FDP wählt, muß sich nun mal FDP leisten können! Bei dem Anteil an FDP-Wähler sind wir erst am Anfang der Krise!
Stefan Giebel, Bad Emstal
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» Antworten #4 04.10.2009, 17:48
Betreff: Das Jahr nach Lehman - was wurde wirklich getan?
Inzwischen ist es bereits ein Jahr her und auch für mich war es ein echt schwarzer Tag. Ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht gerne zurück, eigentlich war ich im Urlaub und wollte entspannt am Pool liegen und dann kam das…Am 15. September 2008 gingen bei der Investmentbank die Lichter aus. Seitdem hat die Pleite der US Investmentbank die Welt verändert. Banken und Börsen wurden in Ihrer basis schwer erschüttert, ganze Industriebranchen gingen in die Knie, Millionen Menschen haben ihre Jobs und Ihre Häuser verloren, und ein Ende ist noch nicht wirklich abzusehen.

US-Präsident Barack Obama hat anlässlich des Jahrestages der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers eine entschlossene und zügige Reform der Finanzaufsicht gefordert. Obama kündigte in einer einer Grundsatzrede in New York an, die größten Wirtschaftsmächte der Welt in der kommenden Woche auf dem G-20-Gipfel in Pittsburgh zu einer Verschärfung der Kontrolle des Finanzsektors zu drängen. Zugleich rief er zu einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit auf. Das gelte für bessere Kapitalstandards ebenso wie für “aggressive Reformen” des Finanz-Kontrollsystems.

“Vor einem Jahr haben wir erlebt, wie sich Märkte täuschen können und wie der Mangel an allgemein-verbindlichen Regeln zu Maßlosigkeit und Missbrauch führen kann”, so Obama. Daher sei es zwingend notwendig, “dass wir Reformen in Kraft setzen, die uns für immer vor einer Wiederholung einer solchen Krise bewahren”. Mit wachsender Stabilisierung beginne die Rückkehr zur Normalität - aber Normalität dürfe nicht zu Selbstzufriedenheit führen, so Obama. Es gebe “manche” in der Industrie, die bisher die Lehren aus der schweren Finanzkrise ignoriert hätten. “Wir werden nicht zu den Tagen rücksichtslosen Verhaltens und unkontrollierten Exzesses zurückkehren” sagte der US-Präsident. Stattdessen müssten starke Regeln zum Schutz gegen die System-Risiken der Vergangenheit erlassen werden, erklärte Obama mit Blick auf die riskanten Kreditpraktiken von Finanzinstituten.

Bislang hat die Politik auch hierzulande allerdings komplett versagt was eine auch nur ansatzweise Regulierung des Finanzmarktes betrifft. Und damit dürfte auch die nächste Krise bereits vorprogrammiert sein. Diese wird dann wahrscheinlich noch viel heftiger als alles bisher da gewesene sein und vielleicht auch die Weltwirtschaft endgültig zum Absturz bringen, wenn nicht endlich entscheidend etwas unternommen wird. Es bleibt zu hoffen das die USA hier eine Vorreiterrolle übernehmen wird und auch die europäischen Regierungen somit zu etwas mehr Verantwortung zwingt. Die Tragweite einer Unterlassung solcher Maßnahmen dürfte inzwischen auch dem letzten Dorfpolitiker klar sein.

Lars Röhrig

http://www.investo...sinside.de
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» Antworten #5 07.10.2009, 08:26
Betreff: Re: Streit um Gier und Verantwortung
Ich darf mich zu dem "glücklichen Kreis" der Besserverdiener zählen und zahle damit einen Großteil meines Gehalts in Form von Steuern/Versicherungen an den Staat bzw. die Bürger. Von einem sozialverantwortlichen Standpunkt aus betrachtet empfinde ich die aktuelle Debatte um die Deckelung der Managergehälter respektive -boni als gerechtfertigt. Persönlich muss ich jedoch sagen, dass eine solche Deckelung meine Leistungsbereitschaft und die damit verbundene Produktivität einschränkt. Boni-Zahlungen und höhere Gehälter bieten Anreize für produktiveres Arbeiten. Eine Kontrolle der Finanzwirtschaft durch die Politik würde dieser Entwicklung entgegen wirken und letztendlich zur Lähmung der Wirtschaft führen.
Dass die Banker jetzt in der Öffentlichkeit dermaßen beschimpft und beleidigt werden und sich eine regelrechte Hasswelle gegen diese Berufsgruppe entwickelt hat, finde ich zudem völlig übertrieben.

Ralph Schillinger
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» Antworten #6 09.10.2009, 09:02
Betreff: Re: Streit um Gier und Verantwortung
Gier nach Besitz, Lust, Anerkennung und Zuwendung ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft, die als übersteigertes, rücksichtsloses Streben unter dem Begriff Habgier den 8 Hauptlastern zuzurechnen ist, die jeder Mensch für sich bekämpfen soll (ein Gebot also, das nicht nur auf Manager zutrifft). Angesicht der Tatsache, daß viele Menschen die Kirche verlassen, Religionsunterricht an den Schulen von den Kirchen nicht durchgesetzt werden kann, kennen immer weniger Menschen die Gesetze Gottes und neigen folglich dazu, andere Götter (Mammon) anzubeten. Die Politiker sollen ihnen als "Priester" dabei behilflich sein. Mir stellt sich die Frage nach der Mitschuld der Kirchen. Bischof Huber kann sich nicht nur auf die Klägerseite stellen.
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» Antworten #7 09.10.2009, 10:50
egghat
Gast


Betreff: 3,4 Billionen
Der IWF hat seine Schätzung für den Gesamtschaden aus der Finanzkrise von 4 Billionen Dollar um 600 Miliarden auf "nur noch"

3.400.000.000.000 (3,4 Billionen) Dollar

reduziert.

Auslöser für dieVerbesserung sind die deutlich aufgehellten Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft (siehe Handelsblatt: Weltwirtschaft wächst stärker als erwartet).

In Europa erwartet der IWF jetzt 814 Mrd. Dollar Verluste (900 Mrd. beim letzten Mal), von denen - und das ist die schlechte Nachricht - weiterhin erst 40% in den Bankbilanzen berücksichtigt sind. Logisch, dass daraus noch einmal gehöriger Druck auf die Banken entstehen wird. Bei Beibehaltung der aktuellen Eigenkapitalausstattung würden die europäischen Banken 92 Mrd. zusätzliches Eigenkapital benötigen.
Sollte ein halbwegs vernünftiger Hebel von 25 angestrebt werden, müssten die europäischen Banken sogar 310 Mrd. Dollar eingesammeln. Ein Hebel von 25 entspricht einer Eigenkapitalquote von 4%. Das ist IMHO immer noch viel zu wenig. Ich will 8% hartes Eigenkapital über Aktien, sprich einen Hebel von 12,5, wie er bis 2004 für die Investmentbanken in den USA noch galt.

Bei einem Hebel von 25 müsste die US-Banken übrigens "nur" 130 Mrd. Dollar einsammeln, was die These bestätigt, dass die Eigenkapitalausstattung der europäischen Banken vergleichweise schlecht ist. Auch sind die Risiken in den Bankbilanzen in Europa, nicht zuletzt aufgrund der gravierenden Probleme in Osteuropa, ziemlich hoch. Dauernd mit dem Finger auf die USA zeigen, ist also weder richtig noch hilft es irgendwie weiter ...
Egghat

http://egghat.blog...ogspot.com
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» Antworten #8 11.10.2009, 12:28
Betreff: Re: Streit um Gier und Verantwortung
Hallo,

vielleicht sollte man auch auf die Verantwortung der Politik hinweisen : Die Rot-Grüne Regierung hat mit dem Investitionsmodernisierungsgesetz ( InvModG) derart riskante Geschäfte in Deutschland erst möglich gemacht.

Grüße

EH
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» Antworten #9 11.10.2009, 12:28
Betreff: Wo liegt eigentlich die Verantwortung der Manager?
Die Gehälter der Manager sind meiner Ansicht nach ja durchaus gerechtfertigt, solange wirkliche Verantwortung dahinter steht: Konkret heisst dies das Manager eben auch persönlich haften müssen, ansonsten hat ja jeder kleine Firmenchef mehr persönliche Verantwortung, er wird nämlich finanziell ausgezogen wenn er sich verrechnet. Wie sieht das bei Managern aus? Schlimmstenfalls Abfindungen von denen alleine man den Rest des Lebens verbringen könnte, und viele von ihnen bekommen sogar noch einen neuen Job (Siehe ex-Infenion Chef). So sind solche Gehälter kaum zu rechtfertigen, ich denke Grundvorraussetzung ist das man im Falle von groben Versagen an die bereits gezahlten Summen wieder herangehen kann.
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» Antworten #10 11.10.2009, 12:29
Betreff: Re: Streit um Gier und Verantwortung
Wie wäre es denn,wenn man die Absetzbarkeit der Boni und Gehälter von der Steuer zu begrenzen? Das Unternehmen kann einem Manager dann zahlen,was es will, aber es wird nicht zu einer Reduzierung der Steuerlast des Unternehmens führen. Das würde sicherlich zu einem Umdenken derAktionärsersammlung führe, die die Aktionäre müßten auf einen Teil ihres Gewinnes verzichten...
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